Sonntag, 16. Juli 2017

Philipp Reuvers "Börkey 743L"

"Börkey 743L", Philipp Reuver 2017
Schlüsselwerke von Künstlern verraten Namen und erheben Ansprüche, versprechen Großes - und ventilieren transzendente wie vertikale Inhalte mit statistisch hochwahrscheinlicher Bedeutsamkeit.

Und wie oder was nun wenn Reuver mit einem Schlüssel um die Ecke zum Ausstellungsaufbau erscheint. Und er kam mit nicht mehr als nur einem Schlüssel, schnöder einer ebensolcher, aus Metall und namens "Börkey 743L" ins No Cube, um im Kontext von JEDER IST EIN KÜNSTLER - NUR DU NICHT, seine Ausstellung im Berliner Kunstverein zu installieren.

Ein individualisiertes Nummernstück das Sicherheit und Schutz, Verschlossenheit und Zugang ermöglicht - ein Schlüssel eben, der, wenn er fehlt, Probleme all denen bereitet, die keinen Doppel dazu haben.

Schlüssel öffnen und versperren die Schleusen zwischen privat und öffentlich - an dieser Schlüssel-Schloß-Schwelle legen wir Hüte ab, packen die Taschen ein oder aus, werden nackt, geheim, sicher und angreifbar zu Haus oder angezogen, eingekleidet oder vorverpanzert und ziehen nach draußen in die Schlacht hinaus. Schließlich manifestiert sich in der Schlüsselübergabe eine Rechtsform in Mietsachen, Besitzverhältnissen - kurzum ohne den Schlüssel, stehen wir vor Türen, müssen um Einlaß bitten, die Tore einschlagen oder die Grenzen sprengen.

Wenn Reuver den "Börkey 743L" (und eben nicht den 758F) zurückläßt, stehen wir ratlos vor der Frage, wen das berührt. Ihn selbst? Einen persönlichen Feind? Oder ist es nur ein gefundener, alter wertloser Öffner für eine doofe Garage in Delmenhorst-Süd.

Er kam, nutzte ein Kaugummi und verklebte damit den 743Ler vor die - auf dem Ausstellungsboden liegende Polly Pocket - unserem ständigen Ausstellungsbesucher. Denn jede Ausstellung im kleinen Haus des Berliner Kunstvereins hat immer einen - wenn auch sehr kleinen - Besucher: die Polly, die sich die Kunst ansieht.
...durch das Schlüsselloch schwer zu erkennen, die LIEGENDE POLLY POCKET...ein besseres Foto folgt. Anm. d. Red.
Nutzen Sie also die Chance und finden Zugänge zum Schlüsselwerk des Philipp Reuver und sehen durch das Loch im Schlüssel die Polly, die auf den Architekten und Museumsbauer Robert Porth verweist, der als Direktor des The Polly Pocket Museum of Modern Art ebenso wie wir sehr herzlich zur Show einladen.

Ich bin permanent vor Ort und habe als weiter- oder wegführenden Hinweis noch an das Ende des Beitrages ein kleines elementares Video angehängt. Sehen oder eher besser hören Sie was von dem, was wir brauchen.... auch.

Nur noch bis zum 21. Juli 2017. Täglich außer Montags von 17 - 20 Uhr.
Achtermannstraße 26 in 48143 Münster.

Bei Fragen nehmen redaktionellen Kontakt mit ruppe (ädd) koselleck.de auf.

So verbleibt herzlich mit freundlichen Grüßen

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