Samstag, 24. Juli 2021

Produkte

Es folgen Bilder, ein Gedicht und zwei Produkte.
Keine Fiktion und keine Kunst.


Das Verbot

Auf dem Parkplatz vor Birkenau hatten wir unsere Autos abgestellt.
Das Ticket gelöst. 

In Gruppen entlang der Gleise waren wir ins Lager gegangen. 
Standen dort. Im Sonnenschein. Ratlos. 
Besuchten die Blöcke.

Mit uns waren viele. 
Aber es war Platz für alle da. 

Genug davon. 
Zu eng war es nur in Auschwitz gewesen. 
Und gedrängt. Und eilig.
Es kamen immer mehr.


Irgendwann waren Touristen auf die Idee gekommen
Ihre Spuren in das Holz der gealterten Baracken zu ritzen.
Aber wann.


Ich war da

Vielleicht hatte das in den 90ern des letzten Jahrhunderts angefangen,
Was wir jetzt fotografierten.
Schriftzüge im Putz der Schule von Birkenau 

Ich war da

Und so stand es 
Da
Auf Englisch und Polnisch, in Deutsch, 
Auf Hebräisch, Russisch, Chinesisch 

Und alle 
So war es bezeugt
Waren zu einem besseren Zeitpunkt
Da gewesen
Als andere 
Viel früher davor

Fotografiert wurde überall. 
Mit Partner und ohne.
Mit Stein, mit Draht, mit Schild
Ohne Gas 
Ohne Unterlass.

Draußen
Dann später 
Gab es für ein dutzend Złoty 
Magneten für den Kühlschrank
Im Shop am Parkplatz vor Birkenau 

Das Tor, die Schienen, 
Der Draht und der Tod
In Farbe, in Sepia
In Schwarz und Weiß

Die Arbeit, die frei macht
War zum Magneten geworden
Für das Eisen zuhause, 
Dort wo die Löwen von Venedig sich im Moulin Rouge vergnügen,
Und die kleine Meerjungfrau ganz dicht an der großen Mauer lehnt,
Dort hat jetzt die Hölle ihren eigenen Platz am Kühlschrank gefunden.
Dahinter die Milch, der Käse, die Wurst wie das Bier 
In der Kälte auf Ihr wohlverdientes Ende warten.

Und weil man in Birkenau alles fotografieren durfte, 
Mit Ausnahme des Auschwitzmagneten vor Ort, 
Blieb mir kein Weg. 

Ich musste es tun. Ich machte ein Foto davon.

Er ist keine Fiktion. Und keine Kunst.



Er ist für 12 Złoty zu kaufen.

Im Shop am Parkplatz zu Birkenau 


Ratlos,

Ruppe Koselleck, im September 2019...

....und am 24. Juli 2021, ebenso.

/das Gedicht erschien später in der  POLYPHONIE DES HOLOCAUSTS ...

/den Magneten hatte ich nicht gekauft. 

/wer kauft so was?

/ich machte einen Test mit Duschgel zum Bestellen mit individuellen Motiv

/für Männer für Frauen.

/man schickt eine Datei dorthin

/und bekommt die Verpackung bedruckt 



/so kam es zurück.



/genauso

/Maschinen machen, was man ihnen sagt 

/wie ihre Menschen

/ihre Bilder, ihre Ausdrucke bleiben unkontrolliert

/und so kam es zum Duschgel 

/fresh - for men

/So war das

/So ist das. 

/Mehr im Mahnmal Kilian - 

...die Ausstellung ist bis zum Oktober 2021 verlängert worden. 

Ruppe Koselleck 
im Projekt Konfliktlandschaften - Besuch in 
Płaszów 

Helene Baldursson, Andreas Brenne, Sarah Büchel, Nine Gerhard, Ruppe Koselleck, Iwona Sasinska und Ella Malin Visse
Der Flandernbunker - Mahnmal Kilian, e.V.

Im Kontext Ausstellung Konfliktlandschaften - Besuch in Płaszów, die am 27. Januar 2021 um 19 Uhr im Flandernbunker in Kiel eröffnet wird, werden an dieser Stelle Arbeiten und Projekte von sieben Studierenden und Lehrenden aus dem Fach Kunst von der Universtität Osnabrück vorgestellt. Die Arbeiten zeigen Exponate, Skizzen, Projekte und Reflexionen aus einer gemeinsamen Exkursion 2019 mit Historiker:innen in die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Monowitz und Plaszow.

Gezeigt wird zunächst der Stand der künstlerischen Beforschungen zum Komplex Auschwitz und Płaszów aus der IAK - Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften. Diese Arbeiten geben nur den künstlerischen Ausschnitt aus der Gesamtarbeit des IAK wieder, ohne deren Anregung und Diskussion diese Reflektionen nicht entstanden werden.