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Mittwoch, 13. August 2025

Red Brickwork on White Giant

Roter Klinker auf Weißem Riesen
Moshe Rosenfeldt & Halil Shalabi 1997

Bereits 1997 würdigten Moshe Rosenfeldt und Halil Shalabi mit vier roten Klinkern den großen Weißen Riesen und mit ihm die Menschen im bergfidelen Viertel bei Münster. Sie verbauten an der nördlichen Steilwand des höchsten Hauses am Berg vier klassisch rot gebrannte Steine und verpassten dem strahlend hellen wie dominanten Weiß des mächtigen Gebäudes einen retrograden und roten Impuls - ein ephemeren und hintergründigen Verweis auf die gelebte Multikultur eines Stadtteils, der genauso viele Nationen und Sprachen wie die Universität Münster beherbergt.

Roter Klinker auf Weißem Riesen 
Moshe Rosenfeldt & Halil Shalabi 1997

Roter Klinker am weißen Riesen
Installation
Moshe Rosenfeldt und Halil Shalabi
Subskulpturenprojekte 1997
Kunst im öffentlichen Raum, Berg Fidel, Münster

Foto: Ruppe Koselleck 

Roter Klinker auf Weißem Riesen 
Moshe Rosenfeldt & Halil Shalabi 1997

Red Brickwork on the White Giant

As early as 1997, Moshe Rosenfeldt and Halil Shalabi paid tribute to the "Great White Giant" — and the people of the lively neighborhood near Münster — using four red bricks. They installed four classic red-fired bricks on the steep northern face of the district's tallest building, introducing a red, retro-style accent to the structure's brilliantly bright, dominant white facade— an ephemeral yet subtle allusion to the lived multiculturalism of a neighborhood that is home to as many nations and languages ​​as the University of Münster itself.
Red Brickwork on the White Giant
Installation
Moshe Rosenfeldt and Halil Shalabi
Subsculpturprojects 1997
Art in Public Space, Berg Fidel, Münster 

#kiör #subskuplturenprojekte #mosherosenfeldt #halilshalabi #wirvorstadttouristen

Sonntag, 11. August 2024

1943 - für Kasper....


Als Kasper König 1943 in Mettingen im Münsterland geboren wurde lag die Stadt Münster in Schutt und Asche. Er selbst wuchs in diesen Trümmern auf und wurde mit seinem ebenso neugierigen wie skeptischen, anregenden und kuratorischen Beiträgen später zu einer der wichtigsten Personen für diese westfälische kleinste Großstadt in Deutschland. Es gelang ihm die durchaus spießige, historisierende, selbstverliebte, gartenzwerghafte Oberfläche von Münster mithilfe der Skulpturprojekte (in Zusammenarbeit mit Klaus Bußmann u.a.) SUBSTANZIELL UND NACHHALTIG zu transformieren.


Als eine streitbare Homage an die Skulptur Projekte Münster plakatierte ich 2007 das Luftbild aus dem zweiten Weltkrieg als ein Sub-Skulpturprojekt von 1943 im öffentlichen Raum und lernte unter anderem dadurch auch Kasper König kennen, der mir seinen persönlichen Bezug zu diesem Plakat - eben seinen Geburtsjahrgang offenlegte, verbunden mit der Frage, ob ich das damals gewusst hatte.
Ich wußte es nicht.
Er bestellte später das Plakat bei mir und blieb mir als sporadische postkartenschreibende Korrespondenz erhalten.

In Gedenken an diesen wunderbaren, humorvollen und nachdenklichen wie hochaktiven Geist möchte ich heute an einen unbequemen Kasper König gedenken, dessen Beiträge fehlen werden.


in memoriam Kasper König

für ihn, für heute, für früher, für immer
ist das gleiche und gleichbleibend strittige Plakat von 1943/2007/2024...traurig, präzise, aktuell.

Den Angehörigen mein Mitgefühl.
Herzlich Ruppe Koselleck

Er wird fehlen.

Donnerstag, 5. November 2020

End of Square - End of Depression

 




Square Depression
(english below)

gehörte zu den zentralen Skulpturen, die das künstlerische Stadtbild sowie seine protopyramidale Identität mitbestimmten. 

Bruce Nauman schuf hier ein betonide Grundform, die im Herzen der westfälischen Wissenschaftsstadt (ganz dicht an der Physik) eine eigenartig nutzlose in den Boden abfallende quadratische Grundfläche festlegte. Hier entstand eine pyramidale Grundform, deren gehärtete Bodenständigkeit eine Raumtiefe manifest werden ließ, die Dimensionen verschieben konnte, wenn man sich auch ohne zwei Weizenbier am Feierabend mal zu einem Skulpturenbad unter freien Himmel dort niederließ!

Auf diesen vier abgesenkten Dreiecken aus Beton lernten Kinder Laufrad fahren, ließen Bengels den lenkbaren ferngesteuerten Superporsche ihre Runden drehen oder küssten kunstgeschichtsaffine Pärchen einander das erste Mal.

Wie schade, daß sie gehen mußte - diese ganz formidable Skulptur, deren Bedeutung sich für mich mit den Jahren ganz langsam verschob....wohin auch immer. Bruce - dein Beton wird mir fehlen.

Quadratische Grüße vom Ruppe Koselleck, 

für den DER MEISTERSCHÜLER,
der mit Deinen Resten per- und transformativ arbeiten wird.

 

Square depression


was one of the central sculptures that helped shape the artistic cityscape and its proto-pyramidal identity.

Bruce Nauman created a concrete basic form here, which in the heart of the Westphalian science city (very close to physics) established a peculiarly useless square base sloping into the ground.
A basic form, the hardened down-to-earthness of which made a spatial depth manifest, which could shift the dimensions if, even without two wheat beers at the end of the day, one sat down for a sculpture bath under the open sky.

Children learned to ride balance bikes on these four sunken concrete triangles, let the rascals do their laps in the steerable, remote-controlled Super Porsches or kissed couples with an interest in art history for the first time.

What a shame that she had to go - this very formidable sculpture, whose meaning for me slowly shifted over the years ... wherever. Bruce - I will miss your concrete.

Square greetings from Ruppe Koselleck,
who will work with your leftovers per- and transformatively.

Montag, 18. Mai 2020

Von abwesenden Oleandern und der Verlegung eines politischen Schwerpunktes



Auf dem von Karin Sander definierten Schwerpunkt der Stadt Münster - seinem physikalischen, posttranszendentalen, geologischen und absoluten Mittelpunkt - stand vor zwölf Jahren an einem sonnigen Tag im Mai ein blühender weißer Oleander in einem Topf aus Ton. Ein roter Punkt markiert diesen Schwerpunkt der Stadt und der Skulpturenprojekte von 1997 - umrandet von einer geschnittenen Eibe. 

Zeitungsausschnitt WN vom 2. Mai 2008, Foto Gerhard H. Kock

Und dort wo Gerhard Kock für die WN einen Blumentopf auf einem Foto festhielt, verweist heute ein roter runder Flecken auf den abwesenden Oleander.



Mit meinem Fahrrad verschob ich für wenige Augenblicke den politischen Schwerpunkt der Stadt auf die anstehende Verkehrswende, 

 
  bevor ich entlang der akurat geschnitttenen Heckeneibe und  den vorbildlich aufgereihten Mülltonnen den Hauseingang in der von Kluck Straße verließ - 
hielt inne, machte kehrt, um mich selbst für einen Augenblick in das Zentrum der Stadt zu stellen.




Und betrat dieses Zentrum, das aus einem roten von westfälischen Grünalgen bewohnten Punkt besteht, auf dem sich vorsichtig muckernde Moose niederzulassen begonnen hatten.

Stand dort mit meinen ungeputzten Schuhen im objektiven Mittelpunkt einer Stadt, die darauf zu achten geübt ist. 

Ging und begab mich gen Berg Fidel - im Auftrag der Bodenstiftung auf die Suche nach Kreuz Neun... und fand dort Dinge am physikalischen Stadtrand der kleinsten Großstadt Nordrheinweltfalens. 

Dinge, die schon in fünf Tagen in Paderborn in einem Schloß zu sehen sein werden.

Soweit mein kurzer Bericht an einem Montag Morgen im Mai 2020 mit einem Gruß an Bettina Bruder, die mich auf die Suche nach dieser vergessenen Skulptur geschickt hatte. Und mich um einen Zustandsbericht bat. Das war er.

Wie immer
kryptisch und befaßt
verbleibt mit herzlichen Grüßen
Ihr

Ruppe Koselleck für den 
DER MEISTERSCHÜLER

Freundinnen und Freunde der redaktionellen Arbeit
des DER MEISTERSCHÜLER fördern die abwegigen Vorhaben des zukünftigen CEO von BP durch positives Kaufverhalten. DANKE.


Sie kaufen Kunst - und Koselleck BP! 

Montag, 2. Oktober 2017

Alle die Frauen, die uns fehlen werden....

Letzte Bilder von einer Gipsfigurine...... Armin Weinbrenner 2017









Und dann fehlen sie doch irgendwie, all diese Projekte. 
Sogar der Brunnen.
Also Goodbye Bildhauerei! ...und wir freuen uns auf die nächste Skulpturenshow im westfälischen ÖR. Und wir warten gespannt auf die Antwort der Stadt Münster zum 36. Projekt sowie der Schenkung einer weiteren Skulptur...

Also auf bald und nachlesen sowie auslesen was alles so geschah... bei Skulp and Blog
Dr. Stephan Trescher und Ruppe Koselleck
sowie M.R. Heydt, Dr. Jacky L. Stevenson et al


 für den DER MEISTERSCHÜLER

Freitag, 29. September 2017

Ankauf und Schenkung

"Skulptur 36"  - Stephan US 2017 - Foto: DER MEISTERSCHÜLER
(Der Ankaufsetat befand sich in der Plastiktüte links neben der Kunst)



Liebe Freundinnen und Freunde des DER MEISTERSCHÜLERS,

zum Ende der Skulpturen Projekte kauften wir am 29. September 2017 aus redaktionellen Gründen und zum Support befreund-feindeter Künstler eine sinnvolle Arbeit in unsinnvollen Zeiten an:
Stephan US seine 36. Skulptur! 



Zum Preis von 10.000 Schleifen, Ocken, Kröten, Piepen - kurz zum Wert von in Buchstaben: ZEHNTAUSEND albanischen Leken erwirbt DER MEISTERSCHÜLER das Schild.

Zahlbar in bar und in abweichenden Währungen...hinter dem Mülleimer. Foto: Rainer Kühn 2017

Es klebt (siehe Abbildung) an der brökelnden Fassade des protoantiken und stehengebliebenen Kieselbetonsockels, auf der früher mal die noch älteren Arbeiten des in zwischen lang schon gestorbenen Künstlers (Karl Bernewitz) standen... (wenn Ochsenmagd auf Pferdebauer trifft).
Nach dem Ankauf schenkt DER MEISTERSCHÜLER der Stadt Münster diese Nr. 36.

Am 29. September 2017 um 13:11 Uhr hat Stephan US ein neues Schild auf besagtem Beton neu verklebt. Im Tausch gegen die erwähnten Valuta, (die traditonsgerecht in einer blumigen Plastik Tüte überreicht wurden) ging dann das Hinweisschild im Verlaufe einer fiskalischen Transaktionsperformance in den Besitz der Redaktion über. 



Im Anschluß signierte DER MEISTERSCHÜLER vertreten durch Ruppe Koselleck und Stephan US eine Schenkungsurkunde (im Wortlaut links abbiegen, hier) an den Oberbürgermeister der Stadt Münster, die in den Postkasten vor dem Stadthaus I eingeworfen wurde.

Eine Kopie der Schenkungsurkunde ergeht in den nächsten Tagen per mail an: Das LWL Museum (altes Landesmuseum), einen nicht näher benannten Notar und C.K., M.W. und B.P. (pers.).

Zur komplexen Untermauerung der USschen Absichten veröffentlichen wir im Anschluß an diesen redaktionellen Abriß den Originaltext zur Arbeit in deutscher und englischer Sprache.

DER MEISTERSCHÜLER entschloß sich zum Ankauf dieser Arbeit auch aus Gründen der Radikalität der USschen Forderungen, die eingedenk und trotz aller urbanostrategischen Bedenken seitens des Stattmarketings, darin gipfelt bis zum Jahr 2027 ALLE in Worten "alle" Skulpturen zu entfernen.... 

...so hängt die Schenkung vorerst vorm dem Stadthaus 2...
 
(wenigstens solange bis sich Widerstand regt. Und der ist zu erwarten!)

So verbleibt bis in Kürze


Ruppe Koselleck 
für den DER MEISTESCHÜLER

Im folgenden finden Sie das USsche Manifest und die Manifestation zur ausgeschilderten Nr. 36.
 
36. Skulptur – Nomadic No Man’s Land wird für 10.000 ALL incl. (ALL=Albanischer Lek, sind ungefähr 74,12 €uronen) gekauft und Inhalt und Umsetzung der Stadt Münster geschenkt. 
„Nomadic No Man’s Land“ - Auflösung und Entfernung der Skulpturen-Sammlung bis 2027
Sechsunddreißigstes Skulptur Projekt thematisiert den freien, offenen Raum
Die Skulptur Projekte Münster mit ihren 35 Arbeiten sind ein paar Tage jung und die Stadt lebt ihr internationales freundliches Gesicht. Die Presse jubelt, dass die Skulptur Projekte 2017 besser als die Documenta in Kassel ist. Aber „Kunst wird so umarmt, alle finden das toll. Es gibt so viel Übereinkunft. Wenn sich alle einig sind, stimmt aber irgendwas nicht.“ (1) um Kasper König zu zitieren. 
Und es stimmt tatsächlich etwas nicht.
Am Dienstag, 27. Juni 2017 um 10.27 Uhr startet ein sechsunddreißigstes Skulptur Projekt im Stadtraum Münster. Es geht um die Entfernung der Skulpturensammlung aus dem Stadtbild bis 2027. Am Stadthaus 2, Ludgeriplatz 4 installiere ich ein Schild im angelehnten Design der Skulptur Projekte an einen ca. 40 cm hohen morbiden Betonsockel:


Titel: „Nomadic No Man’s Land“

Untertitel:
„Auflösung und Entfernung der Skulptur Projekte Sammlung im öffentlichen Raum Münsters bis 2027
Dissolution and removal of the sculpture projects collection in public space of Münster until 2027“

Und der Ort kommt nicht von ungefähr, denn zwei tiefer liegende, durch Moose und Flechten bewachsene Felder, weisen 30 Jahre zurück. Zu den Skulptur Projekte 1987 entfernte der Schweizer Konzeptkünstler Rémy Zaugg dort die Bronzeskulpturen „Magd mit Ochse“ und „Bauer mit Pferd“ von diesem Betonsockel und stellte sie wieder an den ursprünglichen Ort gut 100 Meter entfernt am Ludgerikreisel auf zwei Betonsockel. Damals sprach Zaugg davon der Stadt „einen neuen freien Platz gegeben“ (2) zu haben. 

Dieser Platz ist auch 30 Jahre später immer noch frei, was für den öffentlichen Raum eine Seltenheit ist. Zaugg beschrieb den öffentlichen Raum damals: „Einige können sich den öffentlichen Raum aneignen, zum Beispiel die politische Macht, Individuen, die eine öffentliche Funktion haben, oder Geldmächte,...“ (2) . Das war schon damals wahrnehmbar. Das sich die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes (auch digitaler Raum) heute fast flächendeckend durchgesetzt hat, kann niemand mehr bestreiten und die politische Macht bestimmt größtenteils, wer ihn wann wie nutzen darf.

Fotostrecke aus der WASSERSTRASSE, hier abbiegen.
Die Skulptur Projekte Ausstellung gehört mittlerweile ebenso zur Kommerzialisierung und Bestimmung des öffentlichen Raumes dazu, obwohl sie eigentlich die Frage und das Forschende nach dem Öffentlichen in ihrem Konzept (3) betont. 

Das ist paradox. Man kann nicht das Öffentliche und den öffentlichen Raum im Hier und Jetzt ernsthaft mit einer Ausstellung befragen und erforschen, wenn in dieser mehr Werke aus den vergangenen 4 Skulptur Projekten sind als Zeitgenössische. Diese „alten“ Skulpturen bestimmen und besetzen das zeitgenössische öffentliche Jetzt. Sie haben zuviel Einfluss auf Bewohner, Besucher und die Künstler selbst bzw. sind teilweise zur dauerhaften Stadtmöblierung und zum städtischen Imagebild geworden. Der Weg zum städtischen Skulpturenpark ist da nicht ganz fern. Eigentlich sieht das Konzept der Skulptur Projekte vor für nur 100 Tage temporär die zeitgenössische Skulptur internationaler Künstler im öffentlichen Raum Münsters wirken zu lassen und zu erforschen. Es geht dabei um die Fragen nach dem öffentlichen Raum, „was eigentlich Öffentlichkeit ist, wie öffentlicher Raum hergestellt wird, ob es den überhaupt noch gibt.(4)“

Wichtige Fragen für die jetzige und zukünftige Stadtgesellschaft. Nimmt man diese Fragen und das Forschen ernst, wird man unter diesen Bedingungen nur verfälschte Messergebnisse und Antworten erhalten. In der nicht konsequenten Umsetzung des Konzeptes der Skulptur Projekte liegt die jetzige „Umarmung“ (Kommerzialisierung und Ökonomisierung) der Skulptur Projekte. Um das zu verändern, braucht es einen sich ständig wieder öffnenden, sich bewegenden, von (den alten Werken) entleerten Stadtraum: 
„Nomadic No Man´s Land - Auflösung und Entfernung der Skulptur Projekte Sammlung im öffentlichen Raum Münsters bis 2027“

Denn der öffentliche Raum ist in seiner ureigenen Eigenschaft nicht statisch, immer wie ein Labor und neu verhandelbar. Man sollte sich aber aus der „Umarmung“ immer wieder lösen, um zu schauen, was darin wirklich passiert. Das braucht Mut und tut manchmal auch etwas weh.

ENGLISH

„Nomadic No Man’s Land“ - Resolution and removal of the sculpture collection until 2027
Thirty-sixth sculpture project deals with free, open space

The sculpture projects Münster with their 35 works are a few days young and the city lives its international friendly face. The press rejoice that the sculpture projects 2017 is better than the Documenta in Kassel. But "art is so embraced, everyone finds it great. There is so much agreement. But if everyone agrees, something is wrong. "(1) to quote Kasper König.
And there is really something wrong.

On Tuesday, 27 June 2017 at 10.27 AM starts a thirty-sixth sculpture project in the Stadtraum Münster. It is about the removal of the sculpture collection in public space of Münster until 2027. At Stadthaus 2, Ludgeriplatz 4, I install a sign in the related design of the sculpture projects on a 40 cm high morbid concrete base:
Title: "Nomadic No Man's Land"
Subtitle:
" Auflösung und Entfernung der Skulptur Projekte Sammlung im öffentlichen Raum Münsters bis 2027
Dissolution and removal of the sculpture project collection in public space of Münster until 2027 "

And the place does not come by chance. Two lower fields, covered with mosses and lichens, date back thirty years. In 1987, the Swiss conceptual artist Rémy Zaugg removed the bronze sculptures "Maid with ox" and "Farmer with horse" from this concrete base and placed it again in the original place, 100 meters away, on the Ludgerikreisel on two new concrete bases. At that time, Zaugg spoke to give the city "a new free place" (2). This place is still 30 years later still free, which is a rarity for the public space. Zaugg described the public space at the time: "Some can acquire the public space, for example the political power, individuals who have a public function, or money powers ..." (2). This was visible at the time. The commercialization of the public space (including digital space) has now almost spread across all areas, no one can deny. The political and economic power largely determines who can use it as when and how.

The Sculpture Projects Exhibition now also belongs to the commercialization and determination of the public space. Although she actually emphasizes the question and the researching of the public in her concept (3).
This is paradoxical. It’s not possible to explore the public and the public space in the here and now seriously with an exhibition, if in this more works from the past four sculpture projects act as contemporary works. These "old" sculptures determine and occupy the contemporary public now. They have too much influence on locals, visitors and the artists themselves. They become permanent urban furniture and mutate to city images. The way to the urban sculpture park is not quite far away.
Actually, the concept of sculpture projects provides for the contemporary sculpture of international artists in the public space of Münster to be worked and explored temporarily for only ca. 100 days. It is a question of the public space, "what is actually the public, how public space is created, whether it still exists." (4) Important questions for the present and future city society. If these questions and research are taken seriously, under these conditions only distorted measurement results and answers will be obtained. In the non-consistent implementation of the concept of sculpture projects lies the present "embrace" (commercialization and economization) of the sculpture projects. In order to change this, it needs a constantly re-opening, moving, emptying space (emptied of the old works).
"Nomadic No Man's Land - Dissolution and removal of the sculpture projects collection in public space of Münster until 2027"
The public space is not static in its own characteristic, always as a laboratory and can be re-negotiated. But you should always release yourself from the "embrace" to see what really happens in it. It takes courage and sometimes it hurts.

Stephan US, 27.06.2017

(1) DPA-Interview Kuratorenteam: hier Kasper König im Art-Magazin 23.01.2017
(2) Rémy Zaugg - Interview mit Thomas Wulffen, Die TAZ, Oktober 1987
(3) „Die Realisierung der Ausstellung transportiert dabei per se eine politische Botschaft: Mithilfe öffentlicher Gelder markieren die Skulptur Projekte die Bedeutung des öffentlichen Raums als eine für das gesellschaftlich-kulturelle Zusammenleben unabdingbare, heterogene Sphäre, die keinen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden darf.“
Zitat - Skulptur Projekte 2017 Konzept
(4) DPA-Interview Kuratorenteam: hier Marianne Wagner im Art-Magazin 23.01.2017

Donnerstag, 28. September 2017

Der Brief im Wortlaut


 

An:
Stadt Münster
Oberbürgermeister Lewe
48127 Münster

Ankauf und Schenkung – DIE 36. SKULPTUR, hier: Stephan US


Münster, den 29. September 2017


Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister Lewe,

es ist mir eine besondere Freude im Namen der Redaktion des DER MEISTERSCHÜLER ihnen heute die Schenkung der 36. Skulptur bekanntzugeben.

Nach dem Ankauf der 36. Skulptur geht diese – sofern die Stadt Münster das Geschenk annimmt – in ihren Besitz über. Ich bitte Sie alle notwendigen Schritte einzuleiten, diese Schenkung resp. die Inbesitznahme in die öffentliche Sammlung zu veranlassen.

Es handelt sich um das Schild „Nomadic No Man’s Land“ von Stephan US aus dem Jahr 2017.
Der Standort der Aufstellung resp. –klebung ist der alte Betonsockel einer anderweitig zur Aufstellung gekommenen Doppeltierskulptur von Karl Bernewitz vor dem Stadthaus II, am Ludgerikreisel.

Zur Erinnerung: im Skulptur Projekte Jahr 1987 entfernte der Schweizer Konzeptkünstler Rémy Zaugg von dort die Bronzeskulpturen „Magd mit Ochse“ und „Bauer mit Pferd“ und baute ihnen neue Sockel auf. Wenn man heute von der Hammer Straße in die Stadt einfährt, begrüßt einen der versockelte Bodenstand als eisernes Wahrzeichen des Kreisels.

Stephan US sein Schild klebt an dem Sockel, den man schlichtweg vergessen hatte abzureißen. Nicht nur – wie die Gutachter des DER MEISTERSCHÜLER feststellten – handelt es sich bei dem Sockel, um eine fabelhafte erhaltenswerte Subskulptur mit zwei betoniden und grünveralgten Freiflächen, die an verschlossene Grablegungsstätten erinnern,… nein – mit dem an die Stadt Münster verschenkten Schild, geben wir einen von US fixierten Gedanken weiter, der perspektivisch zur bedenklichen Anregung beitragen soll.



„Nomadic No Man’s Land“ fordert in seiner Untertitelung eine radikale Wende. Wir versprechen uns mit dieser Schenkung einen kritischen Diskurs über eine grenzästhetische Forderung:

Stephan US verlangt nicht mehr aber auch nicht weniger als die



„Auflösung und Entfernung der Skulptur Projekte Sammlung
im öffentlichen Raum Münsters bis 2027
Dissolution and removal of the sculpture projects
collection in public space of Munster until 2027“

Für weitere Gespräche über Strategie und Absicht resp. die konzeptuelle Weiterentwicklung eines skulpturalen Überidentifikationsmodellingworkshops im Rahmen einer städtischen (…), usw.,

würden wir uns freuen, wenn Sie die Schenkung annehmen.

Informationen zur Sache finden Sie stets unter
und speziell zur Schenkung, hier.

und zum Künstler Stephan US resp. seinem „Archiv des Nichts“, aus dessen Kontext die Idee vom DER MEISTERSCHÜLER zur Schenkung an die Stadt entwickelt wurde...

Es verbleiben Ruppe Koselleck  für die Kunst und Redaktion resp. Stephan US nur für die Kunst, herzlich (Unterschriften)...



Donnerstag, 21. September 2017

Die Welt als Bimmeln und Vorstellung

Skulp & Blog -  eine postkryptische Bestandsaufgabe der Skulpturprojekte Münster 2017 mit multiplen Autoren - Gästen und Festen. 

 zum Tondokument ....) ! (....


M.R. Heydt über Cerith Wyn Evans: A Modified Threshold … (Eine veränderte Schwelle…)

Nachdem es so viele Skulpturen, respektive Projekte gibt, bei denen man nichts sehen kann, ist es Zeit für ein Werk, bei dem man außerdem nichts hört.

Wenn man schon von der Kunst weder etwas sehen noch hören kann, muss man eben das Drumherum betrachten – und siehe da, es ist sogar ganz hübsch:

Die Kirche St. Stephanus aus dem Jahr 1965 besticht durch interessante Fenster und Lichtführung im Innern….


Die Idee ist so bescheuert, dass man glatt ins Grübeln kommen könnte, ob da nicht doch was dran ist: Mit immensem Aufwand, nämlich mittels eines Kühlaggregats eine Kirchenglocke so zu kühlen, dass sie ein kleines bisschen höher gestimmt wird.
Einmal völlig abgesehen von der Frage, ob das technisch möglich ist – und wenn ja, wie, denn damit die benachbarten beiden Glocken nicht auch kälter werden, müsste ja das Kühlelement direkt an der Glocke angebracht sein, und wie sollte die dann noch klingen können –, ganz abgesehen davon bleibt die Kardinalfrage: So what?

…viel Grünspan draußen, in normaler Scheibenform …
Man kann es beim besten Willen nicht hören, weil man ja nicht weiß, wie die Glocke sonst klänge, es gibt auch keinen erkennbaren harmonischen Zusammenklang mit den anderen beiden Glocken, aus dem die dritte, gekühlte jetzt dissonant herausfiele, man muss also schon daran glauben, dass da jetzt etwas anders ist (bzw. überhaupt die entsprechende technische Apparatur dort installiert wurde).
Das Gute daran ist, dass die Besucher überhaupt minutenlang andächtig dem Läuten der Kirchenglocken lauschen. Oder dass sie sich die gar nicht mal so uninteressante Kirche St. Stephanus aus der Nähe betrachten.


…oder als Zitronenschale unterm Kreuz (oder ist es ein kaputter Regenschirm?)…


Das Schlechte, dass man nicht so sehr glauben als vielmehr eine erhebliche Menge an gutem Willen aufbringen muss, um überhaupt etwas an der Idee von Cerith Wyn Evans zu finden.
Sie kann beim Betrachter ganz leicht für erheblich mehr Verstimmung sorgen als bei der Glocke. Jedenfalls schwankt der Besucher wie die Glocke schwingt, hin und her, zwischen gerechter Empörung und philosophisch beflügelter Phantasie, zwischen Frust und Poesie, Bim und Bam. Oder er hält sich gleich an das berühmte Lied von Schillers Fritz:


…..und außerdem durch sehr geduldige Zuhörer: Warten auf den Heiligen Bimbam.

„ Ein Glockenton flog durch die Nacht,
als hätt er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel […]“
So hochgestimmt war er noch nie,
auch wenn er fröstelnd zittert,
er pfeift ‘ne schräge Melodie.
Der Küster schweigt verbittert.

              
M.R. Heydt

M.R. Heydt ist Autor einer von Dr. Stephan Trescher und Ruppes skeptischen Anteilen der Restredaktion des Der Meisterschüler kuratierten kritschen Reihe über die Skulptur, versteckte 2017 – Hierbei entsteht ein Blogbuch zum Großkunstereignis zwischen Stadt- und Kunstmarketing. In lockerer Folge werden sich hier verschiedene Autorinnen und Autoren in Einzelbetrachtungen eine kritische Bestandsaufnahme über diese erfolg- wie folgenreiche Ausstellung leisten. Diskurs auch auf FB, mögl....