zum Tondokument ....) ! (....
Nachdem es so viele Skulpturen, respektive Projekte gibt, bei denen man nichts sehen kann, ist es Zeit für ein Werk, bei dem man außerdem nichts hört.
Wenn man schon von der Kunst weder etwas sehen noch hören kann, muss man eben das Drumherum betrachten – und siehe da, es ist sogar ganz hübsch: |
Die Kirche St. Stephanus aus dem Jahr 1965 besticht durch interessante Fenster und Lichtführung im Innern…. |
Die Idee ist so bescheuert, dass man glatt ins Grübeln kommen könnte, ob da nicht doch was dran ist: Mit immensem Aufwand, nämlich mittels eines Kühlaggregats eine Kirchenglocke so zu kühlen, dass sie ein kleines bisschen höher gestimmt wird.
Einmal völlig abgesehen von der Frage, ob das technisch
möglich ist – und wenn ja, wie, denn damit die benachbarten beiden Glocken
nicht auch kälter werden, müsste ja das Kühlelement direkt an der Glocke
angebracht sein, und wie sollte die dann noch klingen können –, ganz abgesehen
davon bleibt die Kardinalfrage: So what?
…viel Grünspan draußen, in normaler Scheibenform … |
Man kann es beim besten Willen nicht hören, weil man ja
nicht weiß, wie die Glocke sonst klänge, es gibt auch keinen erkennbaren
harmonischen Zusammenklang mit den anderen beiden Glocken, aus dem die dritte,
gekühlte jetzt dissonant herausfiele, man muss also schon daran glauben, dass
da jetzt etwas anders ist (bzw. überhaupt die entsprechende technische
Apparatur dort installiert wurde).
Das Gute daran ist, dass die Besucher überhaupt minutenlang andächtig dem Läuten der Kirchenglocken
lauschen. Oder dass sie sich die gar nicht mal so uninteressante Kirche St.
Stephanus aus der Nähe betrachten.
Das Schlechte, dass man nicht so sehr glauben als vielmehr eine erhebliche Menge an gutem Willen aufbringen muss, um überhaupt etwas an der Idee von Cerith Wyn Evans zu finden.
…oder als Zitronenschale unterm Kreuz (oder ist es ein kaputter Regenschirm?)… |
Das Schlechte, dass man nicht so sehr glauben als vielmehr eine erhebliche Menge an gutem Willen aufbringen muss, um überhaupt etwas an der Idee von Cerith Wyn Evans zu finden.
Sie kann beim Betrachter ganz leicht für erheblich mehr
Verstimmung sorgen als bei der Glocke. Jedenfalls schwankt der Besucher wie die
Glocke schwingt, hin und her, zwischen gerechter Empörung und philosophisch
beflügelter Phantasie, zwischen Frust und Poesie, Bim und Bam. Oder er hält
sich gleich an das berühmte Lied von Schillers Fritz:
…..und außerdem durch sehr geduldige Zuhörer: Warten auf den Heiligen Bimbam. |
„ Ein Glockenton flog durch die Nacht,
als hätt er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel […]“
als hätt er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel […]“
So hochgestimmt war er noch nie,
auch wenn er fröstelnd zittert,
er pfeift ‘ne schräge Melodie.
Der Küster schweigt verbittert.
auch wenn er fröstelnd zittert,
er pfeift ‘ne schräge Melodie.
Der Küster schweigt verbittert.
M.R. Heydt
M.R. Heydt ist Autor einer von Dr. Stephan Trescher und Ruppes skeptischen Anteilen der Restredaktion des Der Meisterschüler kuratierten kritschen Reihe über die Skulptur, versteckte 2017 – Hierbei entsteht ein Blogbuch zum Großkunstereignis zwischen Stadt- und Kunstmarketing. In lockerer Folge werden sich hier verschiedene Autorinnen und Autoren in Einzelbetrachtungen eine kritische Bestandsaufnahme über diese erfolg- wie folgenreiche Ausstellung leisten. Diskurs auch auf FB, mögl....
für den DER MEISTERSCHÜLER
M.R. Heydt ist Autor einer von Dr. Stephan Trescher und Ruppes skeptischen Anteilen der Restredaktion des Der Meisterschüler kuratierten kritschen Reihe über die Skulptur, versteckte 2017 – Hierbei entsteht ein Blogbuch zum Großkunstereignis zwischen Stadt- und Kunstmarketing. In lockerer Folge werden sich hier verschiedene Autorinnen und Autoren in Einzelbetrachtungen eine kritische Bestandsaufnahme über diese erfolg- wie folgenreiche Ausstellung leisten. Diskurs auch auf FB, mögl....
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