Donnerstag, 31. August 2017

Auf den Mondhund gekommen

Skulp & Blog -  eine postkryptische Bestandsaufgabe der Skulpturprojekte Münster 2017 mit multiplen Autoren - Gästen und Festen. 

Dr. Jackie L. Stevenson über Emeka Ogboh: Passage through Moondog


Wie Sie sehen, hören Sie nichts.

Entschuldigung.

Dieses Kunstwerk konnte ich leider nicht wahrnehmen, weil es

a) abgestellt war
b) gerade Pause machte
c) aufgrund der akustischen Gegebenheiten vor Ort nicht zu hören / zu verstehen war

Aber sonst war es super!

Dr. Jackie L. Stevenson


Dr. Jackie L. Stevenson ist Autorin einer von Dr. Stephan Trescher und Ruppes skeptischen Anteilen der Restredaktion des Der Meisterschüler kuratierten kritschen Reihe über die Skulptur, versteckte 2017 – Hierbei entsteht ein Blogbuch zum Großkunstereignis zwischen Stadt- und Kunstmarketing. In lockerer Folge werden sich hier verschiedene Autorinnen und Autoren in Einzelbetrachtungen eine kritische Bestandsaufnahme über diese erfolg- wie folgenreiche Ausstellung leisten. Diskurs auch auf FB, mögl..

Kommentare:

Thomas More hat gesagt…

Liebe Leute, die Rezension ist doch wohl ein bisschen unterkomplex... Von Anfang an zählte diese Klangskulptur für mich zu den faszinierendsten Arbeiten der SP17. Gerade die Unmerklichkeit, mit der sich viele der Klänge in den normalen Durchgangslärm des Tunnels ein- und wieder ausschleichen, auch der Umstand, dass die kurzen Gedicht-Rezitationen akustisch eher an Bahnhofsdurchsagen erinnern, auch die Assoziation, dass Moondog als Straßenmusiker durchaus zu denen hätte gehören können, die den Tunnel ansonsten beschallen (oder sitzt da vielleicht, noch unerkannt, ein zweiter Moondog?) - all das finde ich großartig, das macht die Arbeit wirklich zu einer der "urbansten" Skulpturen 2017. Das galt insbesondere für die Zeit, als der Tunnel noch den Hauptverkehr zwischen Bahnhofsvorder- und -rückseite umfasste. Die Öffnung des neuen Bahnhofs und die nachfolgende Degradierung des Tunnels zur Fahrradgarage nimmt der Skulptur leider einiges von ihrer spezifischen Wirkung...

Ruppe Koselleck hat gesagt…

Lieber Thomas More,
großen Dank für diese berechtigte Kritik. Auch ich war Fan und Verfechter dieser vielschichtigen Skulptur. In der ersten Tagen fanden sich Musiker explizit deswegen zum Spiel dort ein, um ein Tribute to Moondog/ Ogboh aufzuführen. Ich hörte Maultrommelkonzerte ebenso wie tanzende Dudelsackläuse in diesem wunderbaren betoniden KLANGSCHLAUCH. Ich hörte dem Klangmix aus ogbohischer Absichtstonlage zu und es mischte sich die Kleinstadtmusik dabei. Und ich bekenne: Ich liebe das Nachhallen der Züge, die unsichtbar über einen hinweggleiten, das vorsichtige Herantasten der Fahrräder, die Flaschen die zu Scherben klingen...und das leise Anklingen einer vergeblichen Poetik.
Das urbane Klangscheitern, Scheppern und Aufmuckens subtilen poetischen Grundrauschens entgeht Dr. Stevenson fast auf der ganzen Linie! Hier setzte Emeka Ogboh zu Beginn der Projekte dem Moondog ebenso wie dem Tunnel ein Denkmal - eine Erinnerung, die jetzt allerdings langsam verblasst... In der beengten Variante des Tunnels heute scheitert auch ein Ogboh. Dafür trinken wir jetzt so ein seltsames Bier und in meinen Träumen wird die so kurz vergangene Gegenwart wieder hörbar. Gruß an Thomas More - herzlich Ruppe Koselleck für und gegen die Restredaktion!

Dr. Jackie L. Stevenson hat gesagt…

Werter Thomas Morus,

es ist ja an sich erfreulich, wenn überhaupt einmal ein inhaltsreicher Kommentar hier erscheint, aber natürlich war der Rezensentin klar, dass sie mit ihrem Blitzverriss keine umfassende Diskussion dieses Werkes liefert.
Das ändert nichts daran, dass sich hier Herr Ogboh ausschließlich mit fremden Federn schmückt und daß die technische Umsetzung einmal mehr die Hauptingredienzen dieser Ausstellung vorführt, Arroganz und Dilettantismus. Arroganz dem Publikum gegenüber (denn ob das mehr oder minder poetische Texze auf Englisch versteht, ist offenbar nicht so wichtig, auch nicht, ob man sie in der Tunnelakustik überhaupt verstehen kann) und dilettantisch was die Planung angeht(Ignoranz des Bahnhofsumbaus) und die technischen Mängel, denn über Wochen war nicht nur in den geplanten Pausen nichts zu hören.Und eine Klanginstalltion, die man nicht richtig hören kann, taugt einfach nichts.

Wer dem Teilzeitmünsteraner Moondog die Ehre erweisen will, der muss nicht unbedingt sein Grab besuchen, der kann und sollte seine Musik hören - z.B. in Konzerten mit Herrn Lakatos, der ja des öfteren öffentlich die Trimba schlägt.

Ach, nun ja, wer den Hamburger Tunnel als Ausweis der großen Urbanität von Münster empfindet, der mag sich vom Geräusch fahrender Züge oder den Durchsagen am Bahnsteig berauschen lassen (von den berückenden Tunnel-Gerüchen schweigen wir lieber)- aber das ist ncoh lange kein Grund, seiner Kollegin in den Rücken zu fallen, Herr Koselleck!

Was für ein Tier eine Dudelsacklaus sein soll, können Sie dann sicher an anderer Stelle erklären...

Ruppe Koselleck hat gesagt…

Liebe Jackie,
der Ogboh wählt einen feinen Ort für eine schwierige Arbeit - fraglich bleibt ob der ECHTE Ort interessanter als die Arbeit klingt. Hier stimme ich Dir zu!

Sein ebenso unverstandenes wie unverstehbares Englisch aus der Boxenkonserve allerdings war Musikern Anlaß genug, eigene Statements aufzuführen. Das war eine gelungene Einladung zur Parasitären Partizipation, die anfänglich auch gut genutzt wurde. Eine ECHTZEITRAUMKLANGCOLLAGE war entstanden. Und die war gut und gelungen.

Das Grundrauschen aus dem protonigerianischen Paralleluniversum "QUIET STORM" grüßt Dich als Flaschengeist vergnüglichen Peridural-Dadaismus in einer Unterführung 2017.

Unklärbare Dudelsacklausgrüße von Ruppe