Dienstag, 19. April 2005

Grond- und Grenspunten sowie etwas über das euregionale Müllkonzept...

Wer sich im Grenzgebiet bewegt, stösst beizeiten auf Berge von Müll, den die jeweiligen Nationen dort gerne konzentrieren, weil man Partikel eines möglichen Schadens gerne auch mit dem jeweiligen transnationalen Nachbarn teilen möchte. Der begrünte Müllberg nahe Alstätte in Deutschland bei Gronau (D) und Buurse bei Enschede (NL) ist da nur ein Beispiel in der hiesigen Euregio.
Atomkraftwerke wie Cattenom im Elsass ein anderes. Eine Aufzählung der hyperergionalen Schadens(be)grenzungsversuche und -versuchungen würde den Rahmen dieses Bloggs sprengen.

Iris Keizer und Ruppe Koselleck trafen am 17. April 2010 aufeinander, um in der ersten Estafette für Grenswerte tätig zu werden. Grenswerte ist ein euregionales Projekt zur Förderung interregionaler Angelegenheiten. Für eine Spezifizierung des Projektes besuchen Sie bitte ab Freitag, den 23. April 2010 die im Entstehen begriffene Website.

Dreierlei Eingriffe in den binationalen terristischen Grenzraum tätigten Keizer und Koselleck zur Vertiefung bestehender Freundschaft und zur Ermittlung unsichtbarer Grenzen zwischen Westfalen und Twente.

Erde und Freiheit (tierra y libertad) war nicht nur Emiliano Zapatos Ruf nach Gerechtigkeit. Die Forderung nach mikroorga- resp. makroorga- und -anorganischer Reisefreiheit verwirklichte und verdichtete sich im nun folgenden Dreiklang.

Iris Keizer legte einen Punkt in Deutschland und Ruppe Koselleck einen in den Niederlanden fest. Mit einem Spaten grub Keizer den gräsernen Grundpunkt im grenzgrünen Zwischenlande aus und übergab diesen in einem feierlichen Akt am Grenzstein dem ungeduldig wartenden Koselleck. Auf diesem Bilde können Sie die eine Hälfte des Vorganges nachvollziehen.
Den Rest der Geschichte entnehmen Sie bitte dem zugehörigen Beitrag eerste grondpunten aan de grens auf Youtube, der auf dem Tuben-Kanal der INTRIGANTEN INTERVENTIONEN eingestellt ist.

Eine potentiell geringfügige bis nahezu homöopathische Veränderung des Grund- und Bodenbestandes im deutsch-niederländischen Grenzgebiet verwirklichten die beiden Konzeptkünstler unter der Beteiligung des schützenswerten Baumbestandes vor Ort. Das Video
grenspunten met boom er in zeigt das zweite Austauschprojekt, welches unter flanierenden Zeugen und banksässigen Spaziergängern stattfand. Peter, aan de camera, belehrt den Betrachter unterdess über Details des ersichtlichen Grenzverlaufes.

Beide Bodenreformen von Keizer und Koselleck bewegen sich zwischen postironischer Genauigkeit und installatorischen Aktivismus, der das historisch verwachsene Gefüge mit einer irritierenden Leichtigkeit aufhebt. Es fällt heute schwer die Grenze zu entdecken - diese ebenso auf- wie heimzusuchen war das flinkfüssige Konzept dieser Intervention. Unter gestrenger Umgehung ansonsten anfälliger europäischer Genehmigungsverfahren (das ergäbe ein ganz eigenes und anderes Kunstwerk!) handelten die Künstler umgehend, spontan und mit dem durchschlagenden Erfolg eines wunderbar sonnigen Apriltages.

Das Euregionale Müllprogramm umschreibt die dritte Aktion, die die Künstler ebenso im Kanal der INTRIGANTEN INTERVENTIONEN platzierten. Dass Sauberkeit das Herz erfreut und dem Dichter einen Reimzwang oktruiert, verweist auf die schmutzige Heckenexistenz vernachlässigter und übersehender Rohstoffe (> muil (nl), Müll (dt)), die Koselleck auf deutscher Seite sich widerrechtlich aneignet, um sie mittels einer Schublore zur Grenze zu karren.
Auf der niederländischen Seite handelt Iris Keizer im Sinne einer Nationale Zwerfvuil Uitzetting nach ähnlichem Muster und reinigt bis in die vorörtlichen Strassengärten hinein den Bodenbelag von nationalem Streugut und bringt diese Wertstoffsammlung zum nordrheinwestfälischen Grenzschild, um sich dort unsanft davon zu trennen.

Bitte beachten Sie stets das Geschehen am Ende des Videos.

Viel Vergnügen bei der Betrachtung wünscht Ihnen
Ihr B. Luthat
für den Meisterschüler

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