| Henri Alain Unsenos (17. Juni 1960 – 25. Dezember 2025) |
Künstler, Lebenskünstler im besten Sinne, Bühnenbildner und Mann, dem immer eine Lösung einfiel.
Henri Alain Unsenos wurde 1960 in Oberhausen geboren, sein Weg führte von der Architektur über das Steinmetzhandwerk zur freien Kunst und war geprägt von einer tiefen Suche nach Form und Raum. Eigensinnig.
Nach seinem Architekturstudium in Dortmund und der Ausbildung zum Steinbildhauer in Duisburg fand er an der Kunstakademie Münster zu seiner eigentlichen Berufung. Als Meisterschüler von Ulrich Erben entwickelte er eine Formensprache, die Architektur mit Skulptur verband. Gemeinsam wurden sie eine erfahrbare, begreifbare und manchmal auch akustisch zu erfassende Emotion.
Unvergessen bleibt sein „Unterrasendamenballett“ (Das ist kein Schreibfehler.) aus der Werkreihe „Alice taucht ab“. Mit sehr schweren Betonbeinen, Betonpopos, Betonbrüsten, Betongesichtern, die kopfüber in das Erdreich einzutauchen schienen, schuf er ein ikonisches Bild für die Sehnsucht nach anderen, tieferen Welten. Die Skulpturen wirkten leicht, schwerelos, fluide.
Seine Werke waren weit mehr als Skulpturen; Sie waren Interventionen, die den Betrachter innehalten ließen: Ein betrachtbares und erlebbares Gewitter innerhalb einer aufgespannten Kugel aus Regenschirmen, seine abstrahierten
Autofrontscheiben, gezeichnet von toten Tieren, seine Bühnenbilder. Sein Thron aus Kohle und ein zweiter aus Salz. Wir könnten noch viele andere Beispiele aufzählen.
Unsenos war ein Künstler des Dialogs – das zeigte sich vor allem in seinen Arbeiten für das Theater. Manchmal in letzter Minute, aber er schaffte es. Immer. Aus profanen Gegenständen, aus Shawls und Licht, schuf er Magie, und das ist nicht übertrieben. Mit zwei seiner Bühnenbilder wurde er mit einem ersten Preis bei den
Berliner Festspielen (der Jugend) in Berlin honoriert.
Die letzten Jahre seines Lebens waren geprägt von schweren Krankheiten. Die erste überwand er, was niemand – vor allem die Ärzteschaft – vermutet hatte. Die zweite akzeptierte er, er sprach davon, diese „interessante Reise” antreten zu wollen. In den Weihnachtstagen 2025 ist er nun gestorben, im Einklang mit sich, seiner Familie und seinen Freund*innen.
Die freie Szene Münsters, vor allem die freie Theaterszene Münsters, verliert einen Freund, einen Inspirator, einen manchmal nervenden Genialisten, einen wunderbaren Menschen, einen freien Geist, einen Wohltäter und einen guten Menschen.
Helmut Buntjer
Bild: Henri Unsenos (†) im Sommer 2024 in der Nähe von Berlin, trotz kurz zuvor bei einem Segeltörn gebrochenen Unterarms optimistisch wie stets.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Münsterschen Volkszeitung und der Autoren.
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